Montag, 28. Dezember 2015

Coulmiers 1870: Ein Szenario für BBB in 2mm



 
Französische Rekruten im Herbst 1870

 


Die Schlacht bei Coulmiers war ein Gefecht zwischen einem bayerischen Korps unter General von der Tann und zwei französischen Korps der Loire-Armee unter General Aurelle de Paladines am 9. November 1870 und endete mit einem französischen Sieg.



Coulmiers im Zentrum, Blick von Nordost


Historische Lage im Herbst 1870


Nach den deutschen Siegen der Grenzschlachten und von Sedan war die reguläre Armee des französischen Kaiserreiches zum großen Teil entweder in Gefangenschaft geraten oder in der Festung Metz eingeschlossen. Die Hauptstreitkräfte der Deutschen belagerten unterdessen Paris. Zur Sicherung des Belagerungsrings in Richtung Süden war das I. Bayerische Korps unter Gen. Von der Tann abgestellt, welches am 11. Oktober die Stadt Orleans an der Loire erobern konnte.

Den in und um Orléans stehenden deutschen Truppen standen an der Loire die neu zusammengezogenen Verbände der Loirearmee gegenüber. Diese erhielten ununterbrochen Zulauf von Kriegsfreiwilligen und waren bis Ende Oktober 1870 auf bis zu 200.000 Mann angewachsen, davon waren 120.000 Soldaten grundsätzlich einsatzbereit. 

Probleme ergaben sich für die Franzosen aber aus der mangelnden Ausbildung der Freiwilligen und dem großen Mangel an Unteroffizieren und Offizieren. Die Ausbildung der Soldaten wurde jedoch mit großem Nachdruck vorangetrieben. Waffen und Ausrüstung standen in dieser Phase des Krieges noch in größerem Umfang zur Verfügung.

Die Position westlich von Orleans am Morgen des 9.Nov. 1870


General Aurelle de Paladines hatte Anfang November 1870 ca. 70.000 einsatzbereite Soldaten zur Verfügung und unternahm mit diesen einen Vorstoß in Richtung Orléans. Ziel war es, das isolierte bayerische Korps in Orléans zu vernichten und die Stadt dann zur Basis für den Entsatz von Paris auszubauen. Die Einheiten wurden aber bereits am 7. November von deutscher Kavallerie bemerkt, und es wurden entsprechende Maßnahmen ergriffen.

Orléans wurde in der Nacht vom 8. auf den 9. November geräumt, und der größte Teil der Truppen (ca. 23.000 Mann) bezog eine Position im Raum Coulmiers, wo es am nächsten Tag bei kaltem und windigem Wetter zur Schlacht kam. General von der Tann war sicher, dass sein schwaches Korps besser manövrieren würde als die große, aber schlecht ausgebildete und unerfahrene Loirearmee.


Der Tisch, 120 x 180 cm,  real  21 x 14 km, die Siegpositionen sind Rot markiert


Historischer Ablauf des Gefechtes am 9.November 1870


Die bayerischen Truppen stellten sich im weiten Bogen von St.Peravy über Coulmiers bis La Renadiere auf. Die Franzosen griffen am frühen Vormittag aus Richtung Südwest an und hatten zuerst mit ihrem rechten Flügel Kontakt. Unmittelbar nach den ersten Kontakten machten große Teile der französischen Armee eine Schwenkung und griffen im Zentrum und auf dem Flügel an. Bedingt durch eine recht weit aufgefächerte Marschformation, dauerte es jedoch einige Zeit, bis alle Einheiten in den Kampf eingreifen konnten.

Beim ersten Angriff im Zentrum gegen 13:30 Uhr gelang es den französischen Truppen, sehr nahe an die Bayern heranzukommen, die bereits ihre Munition verbraucht hatten. Die Bayern wurden hier von der Artillerie gerettet, die auf kurze Entfernung heranging und den Angriff zurückschlug. Ein zweiter Angriff erfolgte gegen 15 Uhr in Richtung Cheminiers an. Wiederum gelang es den Franzosen nicht, ihren Angriff richtig zu koordinieren, dies gab ihren Gegnern immer wieder Zeit, an den entscheidenden Punkten für Verstärkung zu sorgen und die nacheinander angreifenden Regimenter zu vertreiben.

Nach diesem gescheiterten Angriff zogen sich die Mobilgarden ungeordnet zurück. Es gelang den französischen Offizieren nur unter großen Mühen und mit Hilfe der wenigen regulären Einheiten, die Ordnung wiederherzustellen und den nächsten Angriff vorzubereiten.

Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit konnten die Franzosen die Bayern nicht aus ihren Stellungen vertreiben. Die französische Kavallerie stand zu weit im Westen, sodass eine mögliche Umfassung des rechten Flügels der Bayern lange unterblieb.

Als es der französischen Infanterie endlich gelang, Coulmiers zu stürmen, musste sich von der Tann zurückziehen. Den Ort selbst hatte er bereits vor diesem letzten Angriff geräumt, um einer hier drohenden Umfassung zu entgehen. Dies war der Beginn des Rückzugs der Bayern. Jetzt begann bereits die Dämmerung, und der Rückzug gelang ohne Verfolgung.

Die Franzosen unterließen die Verfolgung durch die Kavallerie ebenso wie einen weiteren Vormarsch auf Paris.


Blick von Süden nach Norden, im Vordergrund rechts St.Ay





Coulmiers als Wargame-Szenario in 2mm


Das Szenario für Coulmiers ist auf der „Bloody Big Battles“ Yahoo-Group: https://uk.groups.yahoo.com/neo/groups/BBB_wargames/info
als freier Download zugänglich ( so wie eine ganze Palette weiterer Schlachten ). Es erschien uns gut für einen Start in die Epoche 1870 geeignet, da die Truppenstärken überschaubar waren.

Die Platte, oder besser das Tuch, ist wie schon beschrieben erneut ein beigefarbenes Papiertischtuch der Firma Dunicel, welches mit Airbrush und Pinsel mit Acryl eingefärbt wurde. Die Details und Straßen wurden anschließend mit Pastellkreiden und Buntstiften verbessert. 


Das Papiertuch ohne Gebäude und Vegetation


Wasserflächen sind mit Acrylglanzlack behandelt. Die Dörfer und Häuser werden von den Firmen Irregular und Brigademodels extra für den 2mm Maßstab angeboten. Alle Wälder sind aus selbstgefärbtem Geländeflock aufgestreut. Zur Inspiration haben wir Fotos der Gegend im Monat November gegoogelt.


Herbstliche Stimmung im Loire-Tal


Ablauf unseres Spiels

 

Bayern in Saintry

 


Laut Szenario stellt die Deutsche Seite ihre Truppen zuerst auf. Von der Tann ( Arno ) hatte die Option gewählt, eine Einheit +Artillerie in einer vorgeschobenen und befestigten Position im Dorf Saintry zu plazieren. 

Aufstellung der Bayern und erster Vormarsch der Franzosen um 10.00 Uhr ( Runde 1 )



Die Franzosen dürfen als erste ziehen und kommen um 10.00 Uhr historischer Zeit von Westen auf die Platte. Das 16.Korps unter General Chanzy ( Ich ) stellt sich mit seinen beiden Divisionen nördlich gegenüber Coulmiers auf, das 15. Korps unter de Paladines ( Yogsothoth ) schließt mit den beiden Divisionen südlich davon an. Die Kavallerie des 15. Korps geht isoliert am nördlichen Flügel vor.


Bayerische Reserven in Marschkolonne

10.30 Uhr: Von der Tann reagiert und schickt seine Reiter zum rechten Flügel. Die Reserve rückt vor und verlängert südlich die Linie in Höhe Coulmiers. Die Infantrie der Vorhut setzt sich aus Saintry ab.

Die Front der Bayern nördlich von Coulmiers


11.30 Uhr: Chanzy's Division prallt vom Angriff gegen Saintry zurück. Die Bayern gehen motiviert mit Reitern und Infantrie im Norden vor. Die übrigen drei französischen Divisionen greifen am rechten Flügel an.


13.00 Uhr: Im Norden hat die französische Reiterei das Gefecht gegen die gegnerische Cavallerie glücklich für sich entschieden.  Die Bayern versuchen die angeschlagene Division aus Charsonville zu vertreiben. Gleichzeitig gelingt es dem Franzosen am anderen Flügel weiter gegen die Ziele St.Ay und Huisseau Raum zu gewinnen. Eine glückliche Feuerkonzentration zerschlägt die südliche Flanke der bayerschen Infantrielinie und entblößt Coulmiers.

14.30 Uhr: Die Bayern erobern Charsonville und zerschlagen die gegnerische Division entgültig. Gleichzeitig wird die Bedrohung des südlichen Flügels akuter. Von der Tann gruppiert seine Truppen zur Verteidigung von Coulmiers entsprechend um.

15.00 Uhr: Die Franzosen erhalten durch glücklichen Wurf eine Einheit als Reserve von Norden. Zusammen mit der Reiterei können die Franzosen nun ungestört die drei ungedeckten Siegpositionen nörlich von Coulmiers besetzten. Gleichzeitig fallen Ihnen auch die drei Positionen südlich der Stadt zu. Damit sind die erforderlichen 5 Positionen für einen französischen Sieg nicht mehr aufzuhalten, denn die Bayern haben erneut Würfelpech und erhalten keine Reserven. Wir haben auf die letzten beiden Spielrunden bis 17.00 Uhr verzichten können.


Coulmiers von Norden

Ende des Spiels:

Wir haben das Spiel am Ende der 5. Runde vorzeitig und bendet, da offensichtlich 6 (von 8) Siegpositionen dem Franzosen nicht mehr streitig gemacht werden konnten. Für eine Entscheidung waren 5 erforderlich, bei 4 Positionen wäre die Schlacht unentscheiden und bei 3 als bayerischer Sieg ausgegangen.

Das Spiel ist wie üblich zügig abgelaufen, obwohl Von der Tann sein erstes Spiel mit den BBB-Regeln erleben durfte. Im Nachhinein sind uns ein paar Punkte aufgefallen, die bei Beachtung möglicherweise den Franzosen mehr Probleme bereitet hätten. So hatten wir doch einige Male die negativen Faktoren ( fragile / spent usw. ) bei der Aktivierung angeschlagener französischer Einheiten vergessen.

Umso mehr Grund das Szenario bald nochmals und vieleicht mit anderem Ausgang zu spielen!

 

 


Sonntag, 4. Oktober 2015

Schlacht von Langensalza 1866 in 2mm







Einleitung

Wir hatten beim Montebello 1859 Szenario erstmals die „Bloody Big Battles“ Regeln mit 2mm Figuren getestet. Bevor wir uns endgültig an größeren Schlachten wie z.B. Magenta versuchen wollten, erschien uns ein anderes kleines Szenario recht attraktiv: Langensalza 1866.

Das Orginalszenario der BBB-Regeln


Vorbereitung

Der Aufwand für das Spiel ist recht überschaubar, 24 bzw. 18 Basen je Seite hatten wir schnell bemalt. Die Spielfläche habe ich wie schon für Montebello mit Airbrush, Pinsel und Künstlerbuntstiften auf einer cremefarbenen Papiertischdecke ( Firma Dunicel ) gemalt. Die Flüsse wurden mit Acryl-Glanzlack behandelt. Hügel bestanden aus einigen untergelegten Pappstücken und Taschenbüchern, Geländeflock (woodland scenics) und Häuser (Brigade Models und Irregular Miniatures ) wurden anschließend daraufgestellt bzw. gestreut.

Das Schlachtfeld von Norden


Der Ort Langensalza - 2mm Gebäude von Brigade Models
 
Die Preußen in 2mm - Figurenblöcke von Irregular Miniatures

Historischer Hintergrund

Preußen erklärte dem Königreich Hannover am 15.Juni 1866 den Krieg. Die Preußischen Westarmeen begannen am Folgetag von Hamburg und Minden aus den Vormarsch gegen Hannover. Die hannoversche Armee konnte sich einer Einschließung entziehen und setzte sich südlich nach Göttingen ab. Ziel war es, Anschluss an die verbündeten Bayern im Raum Schweinfurth zu gewinnen.

Infantrie des Königreichs Hannover 1866

Der preußischen Heeresführung gelang es jedoch, den Weg nach Süden mit einem kleinen Sicherungsverband unter General Flies zu blockieren. Obwohl Fließ eigentlich nur den defensiven Auftrag hatte, einen Ausbruch der Hannoveraner über die Unstrut zu verhindern, ergriff er die Initiative und begann seinerseits einen Angriff auf das Gegenufer. Der Vorstoß wurde zunächst von den Hannoveranern zurückgeworfen.

Unser Szenario für BBB beginnt genau in diesem Moment um 11.00 Uhr. 

Blick von Süden - die preußische Position


Historischer Ausgang

Obwohl die Hannoveraner einen taktischen Sieg errungen hatten, gelang ihnen nicht die Vernichtung der Preußischen Truppen, die Ihnen weiter den Weg nach Süden versperrten. Erschöpft und fast ohne Munitionsvorräte, wurde die Armee schon am nächsten Tag von den überlegenen Feindkräften gänzlich eingeschlossen. Dem hannoverschen König Georg V. und der militärischen Führung wurde klar, dass jetzt kein anderer Ausweg mehr blieb als die Kapitulation am 29. Juni 1866.

Historische Schlacht: Im Zentrum Mühle&Bäder, links Unstrut und Merxleben, rechter Bildrand Langensalza


Szenario Langensalza 1866 für BBB:

Das Szenario ist auf der BBB Yahoogroup als pdf-Datei frei zum Download verfügbar. Auf einer Platte von 120 x 120cm Größe, die ein Schlachtfeld von ca. 7 x 7 km darstellt, wird das Gefecht in 8 Runden ( 11.00 – 15.00 Uhr) simuliert. 

Unser Spielfeld

Vier Geländepositionen sind als Siegesbedingungenen definiert: die Orte Merxleben, Mühle&Bäder, Langensalza sowie die Straße nach Süden Richtung Eisenach. Der Preuße ist Gewinner, falls er 3 oder mehr der Positionen bis zum Spielende halten kann, bei zwei Positionen endet das Spiel unentschieden, bei einer oder weniger Positionen, dem historischen Ausgang, gewinnt der Hannoveraner.
Der Hannoveraner baut als Erster seine Truppen auf, der Preuße zieht als erster in Runde 1.

Panorama von Norden mit den Siegpositionen



Ablauf unseres Spiels

Spielbeginn: Aufstellung um 11.00 Uhr
 
11.30 Uhr: Preußen
Historisch war der Befehlshaber der Hannoveraner General v. Ahrenschild durch das aggressive Vorgehen der Preußen eine Zeit lang so verunsichert, dass er nur zögerlich reagierte und zunächst die Unstrut nicht nach Süden überqueren wollte. Dies wird im Szenario durch eine Sonderregel simuliert. Solange die Preußen in jeder Runde forsch gegen Merxleben im Zentrum operieren, dürfen die Hannoveraner den Fluß nicht überschreiten.

 
11.30 Uhr: Hannover
 Die Hannoveraner bringen sich in Position. Ihre Batterie auf dem Kirchberg wird durch Feuer vertrieben.

 
12.30 Uhr: Preußen
 Die preußische Avantgarde geht zum Angriff auf Merxleben über.


13.00 Uhr: Preußen
 Die Avantgarde prallt über die Unstrut zurück. Eine preußische Batterie wird vertrieben.


13.00 Uhr: Hannover

Die Hannoveraner dürfen den Fluß überqueren. Prompt geht die 4.Brigade am linken Flügel bei der Nagelstädt-Brücke vor.


13.30 Uhr: Preußen
 Die preußische Avantgarde und das 25.Rgt. fallen schwer angeschlagen in Richtung Langensalza zurück.

 
13.30 Uhr: Hannover
 Auch die 3. Brigade der Hannoveraner überquert am rechten Flügel den Fluß.


14.00 Uhr: Preußen
Das preußische 11.Gren.Rgt. geht am rechten Flügel mit Artillerieunterstützung vor. Zugleich ziehen sich die übrigen Kräfte nach Langensalza zurück und richten die Verteidigung ein.

 
14.30 Uhr: Preußen
 Das 11.Gren.Rgt. prallt zurück und landet gleichfalls im Ort.

 
14.30 Uhr: Hannover
 Konzentrische Bewegungen der Hannoveraner auf Langensalza zu....


15.00 Uhr: Preußen
Der Preuße führt eine isolierte Attacke gegen den linken Flügel der Hannoveraner. Das Ziel ist, den Gegner zu binden und die Bedrohung der Eisenach-Straße zu verhindern.

 
15.00 Uhr Spielende

Ein Flankenangriff der hannoverschen 2.Brigade treibt das 11.Gren.Rgt. vor sich her nach Süden. Angriffe auf Langensalza können aber von den Preußen abgewehrt werden. Der Ort und die Eisennachstraße bleiben zum Spielende in preußischer Hand.


 Resultat

Am Ende des Spiels konnten die Preußen Langensalza und die Südstraße behaupten und noch ein Unentschieden erreichen. Das bis zuletzt sehr spannende Spiel hatte ungefähr 2 1/2 Stunden gedauert und lief wie bei den BBB-Regeln gewohnt schon nach 2 Runden so glatt ab, dass wir kaum mehr einen Blick in dei Regeln werfen brauchten. Das Spielfeld war danch in wenigen Mintuten abgeräumt und das Papiertuch aufgerollt und in die Ecke gestellt - jederzeit parat für ein neuen "Langensalza-Drama".

Preußische Artillerie






Donnerstag, 18. Juni 2015

Rückkehr nach Cloyd’s Mountain – Der Amerikanische Bürgerkrieg mit Johnny Reb II


Vor einigen Wochen überkam mich ein Anfall von Nostalgie. Ich staubte einige Regimenter aus unserer Johnny Reb Sammlung ab, baute einen Spieltisch auf und lud einige Freunde ein, um ein altbekanntes Szenario neu aufzulegen.

Die Schlacht von Cloyd’s Mountain, die am 9. Mai 1864 stattfand, war vor vielen Jahren das erste Szenario für Johnny Reb, das wir mit vollständig bemalten Armeen in 15mm Zinn gespielt haben. Es war das erste Mal, dass wir uns mit einer Spielgruppe gemeinsam an ein Projekt machten, für das dann auch koordiniert mehrere Teilnehmer gemeinsam Figuren anmalten, um schnell die für das Spiel nötigen Regimenter zusammen zu bekommen. Ein Erfolg, auf den wir seiner Zeit sehr stolz waren. Vorher hatten wir jahrelang mit mittelprächtig oder nur teilweise bemalten 1:72 Plastikfiguren Johnny Reb gespielt. Es handelt sich übrigens auch um das allererste Tabletop-Regelwerk, das ich mir überhaupt je zugelegt habe- als Schüler, 1987. Mit dieser guten alten regelbox spielen wir noch heute.

Nachdem beim ersten Versuch das Szenario weitgehend selbst recherchiert war (anhand gebrauchter Zeitschriften von der Spielemesse- das Internet gab es ja noch nicht…), entschied ich mich diesmal für das von Scott Mingus im Charge! Magazin Nr. 19 veröffentlichte, etwas besser recherchierte Szenario. Das Szenario ist ausgewogen und es macht Spaß es zu spielen. Es gibt eine interessante, auf historischen Tatsachen beruhende, Sonderregel, dass Feuergefechte Brände im trockenen Unterholz auslösen können. In unserem Fall kam es aber nicht dazu.

Auf einem üblichen 1,2 X 1,8 m großen Tisch legte ich das zerklüftete Gelände des südwestlichen Virginia aus grob zugeschnittenem Styropor aus und bedeckte das Ganze mit einem grünen Filztuch. Dann wurden Geländeteile aufgelegt und aufgestreut, Modellbäume und Moos für die Wälder, Modelleisenbahnstreu, Straßen aus Vogelsand usw., Häuser und Zäune waren maßstabsgerechte Resin- und Zinnmodelle.



Eine zahlenmäßig stark unterlegene konföderierte Truppe unter Brigadegeneral Albert G. Jenkins muss sich in dem Szenario einem Angriff überlegener Truppen der Union unter Brigadegeneral George Crook auf die Virginia & Tennessee Eisenbahn in den Weg stellen. Die Rebellen beziehen dazu in dem schwer zugänglichen Gelände auf dem Höhenzug eine starke Verteidigungsposition. Um zu gewinnen, muss der Unionsspieler durchbrechen und die Rebellen vertreiben. Historisch wurde nach einem heftigen Kampf, indem es den Südstaatlern zunächst gelang, die ersten Angriffe abzuwehren, die konföderierte Streitmacht in die Flucht geschlagen, nachdem zu einem kritischen Zeitpunkt der Befehlshaber General Jenkins gefallen war.

In unserem Spiel war die anfängliche Aufstellung historisch, wie in dem Szenario vorgesehen. Die Nordstaatler griffen zunächst auf ihrer linken Flanke an, wo die Verteidigungslinie der Rebellen am schwächsten erschien. Dort hielt ein abgesessenes Regiment der Kentucky-Kavallerie die Stellung in Plänkel-Formation. Diese entschieden sich, zu versuchen, die Yankees in einem wilden Sturmangriff hügelabwärts durch das zerklüftete Gelände den Hang hinabzutreiben. Sie wurden jedoch zurückgetrieben und dann durch einen Gegenangriff in die Flucht geschlagen. Die rechte Flanke der Südstaatler, die nur noch von einem kleinen Miliz-Bataillon gehalten wurde, war damit von den Nordstaatlern umfasst worden. In der Zwischenzeit lieferten sich die Batterien beider Seiten ein Artillerie-Duell über das Tal hinweg und die Hauptmacht der Union durchwatete den schmalen, aber tiefen und reißenden Bach Back Creek, vorbei am Hof des Bauern Cloyd.



Entlang der Zäune und provisorischen Brustwehren der Rebellen kam es dann zu einer Serie dramatischer und für beide Seiten verlustreicher Feuergefechte. Historisch korrekt kam dabei Brigadegeneral Jenkins ums Leben, er fiel tödlich getroffen vom Pferd. Nicht so historisch korrekt war an unserem Spiel, dass es durch eine merkwürdige Fügung der Würfel dazu kam, dass nur kurze Zeit später Brigadegeneral Crook auf der Gegenseite ebenfalls das Leben lassen musste!





Nachdem die rechte Flanke der Union sogar noch aufgrund der schweren Verluste gebrochen war und sich zurückziehen musste, gelang es starken Verstärkungen auf der linken flanke der Nordstaatler, die Miliz zu überwältigen, das Zentrum der Kampflinie der Südstaatler zurückzutreiben, und schließlich die für die Siegpunkte relevante Aufstellungszone der Rebellen in Besitz zu nehmen.





Nach 6 Runden endete so unser Gefecht mit einem überraschend historischen Ende, nach tapferer Gegenwehr musste sich der konföderierte Spieler, so wie sein historisches Vorbild, schließlich geschlagen geben.













Samstag, 23. Mai 2015

LION RAMPANT KAMPAGNE 3


Der Anführer der heidnischen Öseler vor den Toren

Nach der Schlacht an der Brücke im letzten Post trafen nun das Heer der deutschen Kreuzfahrer und die baltischen Verteidiger von Ösel vor den Toren der Hauptfestung in einer offenen Feldschlacht aufeinander.

Das Orginalszenario beschreibt wie schon gesagt den Angriff der Dänen auf die Insel Gotland im 14. Jahrhundert. Dabei wurde das ländliche Aufgebot der Gotländer vom Dänischen König Waldemar vor den Toren der Stadt Vysby niedergemetzelt.
Die Skelett- und Rüstungsfunde des Massengrabes dieser Schlacht sind berühmt.

Wir hatten nur Figuren für das 13. Jahrhundert und haben aus den Feldzug die Eroberung der Insel Ösel durch deutsche Kreuzfahrer und den Schwertbrüderorden gemacht.

Dementsprechend ist statt der historischen Steinmauer von Vysby eine heidnische Holz-Erde-Festung zu sehen.



Im Vordergrund nahen die Kreuzfahrer. Im Hintergrund haben sich die Öseler vor dem Festungsgraben aufgestellt.







Die Holzfestung habe ich schon vor einigen Jahren selbst aus einem alten Cowboy-Fort gebastelt.




Ursprünglich war das Fort einmal  für 54mm Plastikfiguren gedacht.


Die Schlacht haben wir wieder nach den LION RAMPANT Regeln flott in 90 Minuten durchgespielt.
Gleich zu Beginn strebte der Öseler mit allen Truppen vorwärts, um Raum zwischen sich und den verhängnisvollen Graben zu bringen.



Der Deutsche zog zunächst die Serjanten zu Fuß vor. Anschließend versuchte er sich mit Salvenfeuer seiner Armbrustschützen sowie mit der Aktivierung seiner Ritter.
Bei Beidem verpatzte er die Aktivierungen und musste in seiner Ausgangsstellung verweilen.



Aus der schützenden Deckung der beiden Wäldchen an den Flanken konnten die leichten Bidower des Öselers dem Deutschen erste Fernkampfverluste beibringen.
Endlich aber rückte der Bischof mit seinen Rittern vor !


Glücklich gelang den öseler Yeomen zu beiden Seiten der Strasse vor dem Zusammenstoss mit den Rittern noch das Bilden der Schiltron-Formation. 
Die nachfolgenden Kämpfe mit den ungestüm immer wieder anprallenden Rittern führten bei letzteren zu blutigen Verlusten.

Am Ende blieb der Bischof allein ohne Leibgarde zurück und griff doch weiter an !



Als zuletzt von den Öselern nur noch stark reduzierte Reste der Einheiten übrig waren, die für den Angriff kaum noch taugten, und die von einer fast intakten Armbrusteinheit der Deutschen nun eine nach der anderen zusammengeschossen werden konnten, haben wir uns auf ein Spielende geeinigt.


Fazit

Lion Rampant macht immer wieder Spass und ermöglicht ein einfaches und doch dramatisches Spiel mit überschaubaren Figurenmengen und Spielzeiten.

Besonders freuen wir uns auf die Fantasy-Variante DRAGON RAMPANT, die dieses Jahr im Dezember bei Osprey auf dem Programm steht. Gut wären auch detaillierte Regeln für Belagerungen und Schiffskämpfe !