Donnerstag, 19. September 2013

Polnisch-Schwedischer Krieg: Schlacht von Wenden 1601



Eine Winterschlacht:

Schlacht von Wenden-Cesis  7. Januar 1601



Ursprünglich plante ich ein neues Szenario aus dem Hessenkrieg am Niederrhein, nämlich die Winterschlacht an der Hückelsmay  1642.

Da ich etwas unwillig war, für ein einzelnes Szenario ein ganzes Sammelsurium an schneebedecktem 15mm Gelände herzustellen, habe ich nach anderen Winterschlachten zunächst nur des dreißigjährigen Krieges gesucht.

Kirchholm 1605

Die beste Quelle für Szenarien dieses Krieges sind die mittlerweile drei Bände von William Guthrie. Der jüngste Band „Actions of the Thirty Years War“ behandelt die Nebenkriegsschauplätze, so unter anderem den langen Polnisch-Schwedischen Krieg 1600-1629 in Livland und Preußen.  

Bei diesem Konflikt trafen die Parteien recht häufig bei winterlichem Wetter aufeinander. Dabei waren die Schlachtfelder und Armeegrößen oft sehr klein und deswegen besonders tabletoptauglich.

Folgende Wintergefechte habe ich gefunden:

01.01.1601
Schlacht von Wenden-Cesis in Livland

07.01.1626
Schlacht bei Wallhof / Gustaf Adolfs erste offene  Feldschlacht

03.12.1626
2.Schlacht von Wenden-Cesis

01.02.1628
Treffen bei Treiden

01.02.1628
Schlacht von Gorzno



Hintergrund des Szenarios

König Karl IX von Schweden war im Frühjahr 1600 mit einer Armee von 10.000 Mann nach Estland gekommen und hatte einen Feldzug gegen das Polnisch-Litauische Heer begonnen. Nach der Eroberung von Parmu und Fellin glückte Ihm im Dezember die Eroberung von Dorpat.

                                                    König Karl IX. von Schweden

Der Frost hatte alle Flüsse und Sümpfe passierbar gemacht, so dass Karl ein Detachement von 3000 Mann unter Befehl von Hans Bengtsson zu einem schnellen Vorstoß auf die Vorhut der Litauer bei Wenden aussenden konnte.

Die Litauer wurden vom Anmarsch der Schweden informiert, als diese gerade den  zugefrorenen Fluß Gawia wenige Meilen nördlich von Wenden überquert hatten. Die kleine litauische Schar unter Befehl des Voivoden Dembinski eilte sofort den Schweden entgegen. Eine weitere Verstärkung unter Befehl von Jürgen v. Fahrensbach folgte ihnen nach.




                                                              Jürgen von Fahrensbach


Das Gelände und die Aufstellung:

Der Weg von Dorpat nach Wenden überquerte das Tal der Gawia von Nord nach Süd. Die Hänge auf beiden Ufern waren locker bewaldet. Die Gawia war zugefroren und konnte von den Schweden überquert werden. 

 












Die Gawia bei Wenden im Sommer



Die Schweden hatten die Gawia gerade überschritten als sich ihnen die kleine lithauische Schar entgegen warf. Die Schweden waren mit dem Rücken zum Fluß aufgestellt. Die Lithauer griffen hügelabwärts an.


     







Die Schlacht von Wenden für Father Tilly 4 

Wenden ist ein interessanter Versuch mit den Fathet Tilly Regeln eine zahlenmäßig ( und auch Punktemäßig ) sehr ungleiche Lage duchzuspielen. Die Schweden hatten bei mehr als  4-facher Überzahl historisch eine totale Niederlage mit 1800 Ausfällen von 3000 Mann Ausgangstärke erlitten. Ihr Gegener hat mit 700 Mann und ohne Artillerie das Gefecht mit nur geringen Verlusten ausgetragen. Dabei berichten die Quellen, dass die schwedische Infanterie mit großer Hartnäckigkeit niedergekämpft werden mußte.

Können die Regel diese Diskrepans durch überlegene Führung, Taktik und "War Token" ausgleichen ?




Die Schwedische Armee                                                                                                                              
1200 Fußsoldaten/ 1800 Reiter/  2 Feldstücke 
1 Figur: 20 Mann / 1“: 15 Meter / Ambuscade Scale / 878 Pts.
General: Hans Bengtson

No.
Name
Personality
Tactics
Strategy
Command
A
Bengtson
normal
poor
Poor (2)
Poor 12“
No.
Name
Formation
Grade
M
CV
Armour
Strength
Weapon
Pts
B
Ryttare
Caracole
Cons
5
5
-
10
Pi
40
C
Ryttare
Caracole
Cons
5
5
-
12
Pi
48
D
Ryttare
Caracole
Reg
4
4
A
10
Pi
70
E
Ryttare
Caracole
Reg
4
4
A
10
Pi
70
F
Infantry
Tercio
Cons
5
5
-
16
P/S
64
G
Infantry
Tercio
Reg
4
4
-
16
P/S
96
H
Infantry
Tercio
Reg
4
4
-
16
P/S
96
I
Infantry
Tercio
Cons
5
5
-
16
P/S
64
J
Ryttare
Caracole
Reg
4
4
A
10
Pi
70
K
Ryttare
Caracole
Reg
4
4
A
10
Pi
70
L
Ryttare
Caracole
Cons
5
5
-
12
Pi
48
J
Estonian Levies
Caracole
Mil
5
6
A
12
Pi
48
K
Demi-Cuvertin
Fieldgun
Reg
4
4
-
4

94















Ryttare und Estonian Levies zählen als „light“ im Kontakt mit gegnerischen Reitern.
Infantry ist mit 25% Pike und 75% Arkebuse bewaffnet.
Gruppenbewegungen sind nicht erlaubt.
Army Morale Level: 0 / 154 Figuren / 15 Figuren=10%


                                                         Schwedische Landsryttare

Die Schwedische Armee bestand aus Schwedischen und Livonisch-Estnischen freiwilligen Reiterverbänden, den Landsryttare. Sie waren in Fahnen zu 200-300 Mann aufgestellt. Zur Schlacht formierten sie sich in 10-15 Glieder tiefen  Blöcken und caracolierten mit Pistolen oder Carabinern.

Die Infanterie bestand aus nationalschwedischen, finnischen und estnischen Milizen und Wehrpflichtigen. Sie waren mit Piken und Arkebusen bewaffnet und in "Fanika" von 300-500 Mann aufgestellt. 

Eine  "Fanika" war aus allen Waffen zusammengesetzt. Um 1600 waren allerdings Hellebarden, Rundschildträger und Armbrüste abgeschafft und durch Piken und Arkebusen ersetzt. Die Aufstellung war ein Mannquadrat der Piken mit gleichtiefen Schützenflügeln, meist 10-15 Glieder tief.

Viele der Pikenträger waren mit anderen Stangenwaffen wie Speeren, Partisanen oder Hellebarden bewaffnet und nur eingeschränkt zu einer effektiven Abwehr einer Reiterattacke geeignet.

Die Fanika würden anders als bei den Spaniern nicht schachbrettförmig, sondern nebeneinander in einer "Phalanx" aufgestellt, falls erforderlich auch in mehreren Treffen hintereinander, wie später bei Kirchholm 1605.

                                               4 Fanika von 315 Mann in einer "Phalanx"



Die Polnisch-Lithauische Armee                                                                                                                     

160 Fußsoldaten/ 560 Reiter                                                                                         
1 Figur: 20 Mann / 1“: 15 Meter / Ambuscade Scale/ 624 Pts. ( incl.+ 100 Pts. additional Leader)
Capitaneus:  Maciej Dembinski

Rechter Flügel:

No.
Name
Personality
Tactics
Strategy
Command
1
Dembinski
normal
good
Av (4)
Av 16“
No.
Name
Formation
Grade
M
CV
Armour
Strength
Weapon
Pts
2
Hussars
Gal
Vet
2
3
A
6
La,Pi
108
3
Hussars
Gal
Vet
2
3
A
6
La,Pi
108
4
Heiduks
Reg
Reg
4
4
-
4
Arq
24















Linker Flügel:

No.
Name
Personality
Tactics
Strategy
Command
5
Jürgen v. Fahrensbach
normal
-
-
Av 16“
No.
Name
Formation
Grade
M
CV
Armour
Strength
Weapon
Pts
6
Farensbach CR
Trotter
Vet
2
3
HA
4
Pi
44
7
Hussars
Gal
Vet
2
3
A
6
La, Pi
108
8
Hussars
Gal
Vet
2
3
A
6
La,Pi
108
9
Heiduks
Reg
Reg
4
4
-
4
Arq
24















Dembinski hält zwei „Avenging Angels“ War Token auf der Hand.
Heiduks sind Commandierte Schützen und können in Close/Loose/Skirmish Order aufgestellt werden.
Army Morale Level:  36 Figuren / 4 Figuren=10%


                                      Polnisch-Lithauische Husaren zur Zeit des Krieges von 1600-1609

Dembinski hatte eine Reiterei von  400 Husaren und 100 Pancerni in 10 Bannern zur Verfügung. Dazu hatte er zwei Kompanien Heiduken ( 160 Mann ). Fahrensbach eilte mit einem Cornet Kürrassiere zur Hilfe.

Da zu dieser Zeit die Grenze zwischen Husaren und Pancerni  nicht so klar und die Banner oft aus beiden Truppentypen gemischt waren, habe ich nur einheitliche Einheiten als Husaren aufgestellt.

Die Husaren führten eine besonders leichte und extrem lange Lanze, die Kopia, die mit 4.50 Meter Länge sogar die Stangenwaffen der schwedischen Infanterie überragte.



Die Platte

Ich habe zunächst ein paar Geländeteile mit Schnee angefertigt. Die Tischgröße beträgt 3x4 Fuß. Den Abhang zur Gawia habe ich mit untergelegtem Styrodur dargestellt, welches ich mit weißem Filz und T-Shirt-Stoff bedeckt habe ( Reste meines Agira Projekts ).

Bei der Aufstellung der Schweden habe ich mit zwei Varianten experimentiert. Bei der ersten sollten die Reiterflügel in zwei Treffen aufgestellt werden, bei der zweiten Variante in nur einem.
Ich habe die Wahl dem Schwedenspieler überlassen. Letztendlich haben wir die zweite Variante gespielt, die auch mit der Szenariokarte aus dem Internet übereinstimmte ( s.o. ).


Hier zunächst links die Schweden und rechts die Polen. 
Die Schweden sind in der Variante1 Reiter in zwei Treffen aufgestellt.
 
Die schwedischen Terzios.  Die Gawia ist kostensparend aus Baumarkfolie geschnitten.


Die finale Aufstellung

Die Aufstellungsvariante 2 mit den schwedischen Reitern in einem Treffen, die wir dann getestet haben. Ich der Dramatik wegen für ein wenig Schneegestöber gesorgt - Ein Styropor-Rest wird dafür auf der Parmesan-Raspel zerkleinert.
Nach dem Spiel muß allerdings der Sauger ran...


 
 
Hier die erste Runde. Die Polen greifen an den Flügeln an.

Eine Überzahl von 4:1 für die Schweden, die dabei noch nicht einmal alle von minderer Moral sein sollten, sorgten doch für Probleme.

Ich habe hier den Ansatz verfolgt, die Schweden vor allem durch mangelnde Initiative zu benachteiligen. Das erschien mir bei Betrachtung des historischen Schlachtverlaufes die beste Lösung zu sein.

Dementsprechend haben die Schweden nur einen Befehlshaber ( Bengtson ), der noch dazu besonders schlechte Werte hat. Sein Command-Radius erlaubt ihm zudem immer nur einen Teil der sehr ausgedehnten Aufstellung zu bewegen.
Die Polen dagegen werden von zwei Anführern befehligt ( Dembinski und v. Fahrensbach ). Sie greifen klugerweise jeweils die Enden der langen schwedischen Linie an, so dass immer einer von ihnen gegen fast passive Gegner fechten darf.


Polnische Flügelhusaren im Schnee


 Die zweite Runde:  Die Husaren haben auf beiden Flügeln die gegnerischen Pistolenreiter durchbrochen


Hurrah !!!

Die dritte Runde: Die schwedischen Flügel beginnen zu zerfallen.


Ausgang

Im Ganzen betrachtet folgte das Szenario recht genau dem historischen Schlachtverlauf. Die überlegene Qualität der Husaren in Verbindung mit den Einschränkungen der schwedischen Führung konnte die krasse Unterzahl recht gut ausgleichen.
Ein wirkliches Plus für die Father Tilly Regeln !

Allerdings waren die taktischen Möglichkeiten für den Schwedenspieler so stark eingeschränkt, dass seine Armee fast wie unkommandiert reagierte. Wir haben dann das Spiel vorzeitig beendet - niemand ist gern der punching-ball !

Unsere Idee für dieser Szenario sieht für die Zukunft so aus: Der Schwede wird nach einer einfachen Reaktionstabelle automatisch gesteuert. Die zwei Spieler stellen je einen der polnischen Führer dar und spielen gegen die Uhr und um Punkte.

Die Regeln für Husarenangriff, coracolierende Pistolenreiter und Terzios funktionieren jedenfalls.














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