Donnerstag, 1. Dezember 2011

Auerstedt Event 2011 - Szenario und Regeln nach Napoleon's Battles

Mitte August veranstalteten mein Bruder und ich ein Tabletop-Treffen um die Schlacht von Auerstedt in 6mm nach den Regeln von Napoleons Battles zu spielen. Wir haben gezielt auf diese Schlacht hin das Projekt "6mm Napoleonics" gestartet und wollen in Zukunft zumindest einmal im Jahr eine historische Schlacht der Napolionische Ära nachspielen. Fürs erste werden wir uns dabei auf die Zeit bis 1807 konzentrieren und haben schon mehr Ideen für Projekte, als man wohl jemals umsetzen wird. 
Wir haben bei diesem Projekt bei Null angefangen und mussten sowohl alle Figuren bemalen, als auch das Gelände basteln. Für die Platte habe ich auf Grund von Satelitengestützten Höhenlevelkarten ein 3D-Modell aus Styropor angefertigt, welches dem Gelände in einem Maßstab von 1 Zoll = 100 Yards in der horrizontalen und 1cm = 20 Meter in der vertikalen Richtung, aber ansonsten genau dem Verlauf des Geländes entspricht. Die Höhenlevel sind also leicht verstärkt wiedergegeben. In den letzten Tagen vor dem Treffen wurde es daher natürlich extrem hektisch und wir sind nur knapp und völlig erschöpft genau auf den Punkt fertig geworden - aber irgendwie schafft man durch solch ein Projekt dann doch sehr viel und ist im Nachhinein sehr froh und wird noch Jahre davon profitieren.

Der folgende Bericht ist aus dem Tabletop Forum Tiny Soldiers übernommen und stammt eigentlich von dem Autor "Graf Aujesky". Ich habe den Bericht entsprechend an dieses Forum angepasst.
Nun zu der eigentlichen Schlacht. Es waren 5 Spieler beteiligt, die ich hier nur beim Vornamen/Spitznamen nennen möchte, sowie 2 Spielleiter, mein Bruder und ich.

Die Spieler waren wie folgt aufgeteilt: 


Preußisches Oberkommando + Divsion Oranien und Kalkreuth: Rolf
Blücher: Carsten
Gobbo: Schmettau und Wartensleben


Französisches Oberkommando (Davout) + Divisonen Gudin und Morand: Michael
Divisionen Vialannes und Friant: Franz


Preußischer Aufmarsch
anfängliche Positionen: Franzosen links, Preußen rechts.
Der Plan der Preußen bestand darin, Hassenhausen als Schlüsselstellung erst sturmreif zu schiessen und erst später, wenn die zahlreichen, erwarteten Verstärkungen zur Verfügung standen, dann im Nahkampf zu nehmen.

Carsten sollte mit Blüchers Kavallerie Korps weitgehend unabhängig agieren, den französischen Rückraum bedrohen und so das Eintreffen französischer Reserven nach Möglichkeit verzögern.
Gobbo fiel die Aufgabe zu, mit der 3. Division Schmettau Druck auf Hassenhausen auszuüben, ohne aber übereilt anzugreifen, während die 2. Division unter Wartensleben nach Möglichkeit die Franzosen südlich von Hassenhausen in Kämpfe verwickeln soll.
Mit Eintreffen der Reserven unter Oranien (1. Division) und Kalkreuth (Res.-Corps) sollte dann die Offensive eingeleitet werden.Von vornherein war klar, das das Timing der entscheidende Faktor werden würde.

Der Plan entwickelte sich auch wie gedacht, auch wenn es den Preußen insgesamt schwer fiel auf die Verstärkungen zu warten und die französischen Nadelstiche zu ertragen während ihnen selber noch die Hände gebunden waren.




Wartensleben wurde auf dem linken Fuss erwischt, als er in Marschkolonne von Vialannes Kavallerie und einer Brigade leichter Infanterie erwischt wurde. Möglich wurde dieses dadurch, dass die Franzosen sehr früh ihre überlegene Initiative ausspielten und so einen Doppelzug machen konnten.

Auch wenn das die preußische Planung auf der südlichen Flanke zunächst zurückwarf, war es im Rückblick günstig für die Preußen, dass die Franzosen ihren Doppelzug sehr früh nutzten. Ansonsten hätte die Bedrohung durch einen möglichen Doppelzug die preußischen anderen, nachfolgenden Reserveformation noch früher aus der Marschordnung in Kampfformation gezwungen und insgesamt die preußische Entwicklung gehemmt.
An dieser Stelle muss jedoch auch erwähnt werden, dass auf Grund von einer falschen Regelinterpretation der Ausgang dieses Angriffs für die Preußen wesentlich günstiger ausging, als es eigentlich hätte sein müssen. Hätten wir die Regeln korrekt gespielt, hätte die französische Kavallerie wohl die preußische Infanterie gebrochen und hätte anschließend noch weitere "Unruhe" stiften können. So ging es doch sehr glimpflich für die Preußen aus - was aber auch nicht die Spannung in dem Spiel geschmälert hat.



Nicht zufrieden stellend liefen aus preussischer Sicht allerdings die Fernkämpfe. Zum einen gelang es ihnen nicht, die Verteidiger von Hassenhausen entscheidend zu schwächen, obwohl sie sie stundenlang durch Artillerie und Jäger unter Feuer nahmen, zum anderen wurde Blüchers leichte Kavallerie, die abgesessen war, um Punscherau zu halten, umgehend durch französisches Tirailleurfeuer in die Flucht geschlagen. 
Da waren auch die wiederholten Hinweise meines Bruders, dass die Preussen sich weitaus besser schlügen, als ihre historischen Vorbilder nur ein sehr schwacher Trost für diese.

Mit der Zeit gelang es den Preußen die Reserven heranzuführen und den Druck auf Hassenhausen zu erhöhen.

Blick aus Süd auf Hassenhausen

Mit der Zeit gelang es den Preußen die Reserven heranzuführen und den Druck auf Hassenhausen zu erhöhen.
der preußische Angriff formiert sich


Um 13.30 h waren vier französische Brigaden flüchtend (rote Würfel im Bild) und in Unordnung im Windschatten hinter Hassenhausen zusammengezogen. Das preußische Oberkommando (Rolf) witterte Morgenluft, als es den französischen Generälen wiederholt nicht gelang hier die Ordnung wiederherzustellen, aber es gelang den Preußen an keiner Stelle die bereits brüchige Front zu durchbrechen, um diese geschwächten Brigaden endgültig zu beseitigen.


Um 15.30 h konnten die Preußen dann Hassenhausen einnehmen, aber die schlechten Nachrichten aus Jena ließen ihre Moral kollabieren, gerade als sie zum entscheidenden Schlag ansetzen wollten.

Hassenhausen in preußischer Hand
Die Franzosen hatten ihre überlegene Mobilität und Feuerkraft geschickt ausgespielt und dafür gesorgt, dass ihre eigenen, unvermeidlichen Verluste gleichmäßig auf alle Formationen verteilt wurden, in dem sie angeschlagene Brigaden rechtzeitig aus der Frontlinie zurückzogen.Die Schlacht endete mit einer preussischen Niederlage in einem erstaunlich ausgewogenen Szenario gegen sehr gut geführte Franzosen. Mit einem Quentchen weniger Pech bei den Franzosen in den entscheidenden (vor allem Fern-) Kämpfen hätte der preußische Plan aufgehen können. Eventuell hätten SIe bereits früher und mit weniger Truppen in die Offensive gehen können, die Kunst bleibt jedoch, für so etwas den richtigen Zeitpunkt zu finden.

Die Offensive, wie historisch, nur mit der Division Schmettau einzuleiten und zu scheitern, hätte vermutlich auch die historische Niederlage herbeigeführt, da die Franzosen dann ohne Widerstand bis in den preussischen Aufmarschbereich hätten attackieren können.



Fazit:

Napoleon´s Battles ist schon seit Jahren unser Favorit was die Umsetzung historischer Szenarien der napoleonischen Zeit angeht.Es ist ideal geeignet für die meisten Schlachten der Epoche, 1-2 Korps pro Spieler sind mit etwas Erfahrung durchaus führbar.
Eine Inf. Base repräsentiert etwa 480 Mann, eine Kav. Base 320 Reiter, eine Art.Base eine Batterie von 4-8 Geschützen.
1 Zoll auf der Spielplatte entspricht realen 100 yards, also 30 cm ungefähr 1100m
Auch in diesem Szenario zeigte das System wieder seine Stärke die Unterschiede zwischen der veralteten Lineardoktrin der Preussen und der Grande Armee auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung spürbar zu machen.Spürbar heißt für den Preussen in erster Linie schmerzhaft spürbar!

Die enorme numerische Überlegenheit der Preußen lässt sich nicht ausspielen, da Zeit und Raum fehlen, um Artillerie und Kavallerie wirkungsvoll einzusetzen.Die Infanterie ist den Franzosen in allen Belangen unterlegen, bzw. erreichen Garde- und Grenadierdivisionen gerade einmal die Qualität französischer Linie. Sehr oft zeigte sich, dass ein subtiler +1 Modifikator auf einem 1d10 doch einen gravierenden Unterschied machen kann.

Größtes Manko der Preussen dieser Zeit ist allerdings ihre unzureichende Organisation und Kommandostruktur, die sich gerade in diesem Szenario deutlich bemerkbar macht.

Die recht ungelenken preussischen Formationen durch zwei Nadelöhre im Gelände in die Offensive zu pressen, war nicht ganz einfach.Rückblickend hätte sich die Preußen vermutlich leichter/schneller entwickelt, wenn man in dem Wissen, dass man ohnehin weder Zeit noch Raum für ihren Einsatz haben würde, die Artillerie beim Aufmarsch zurückgelassen hätte (ggf. müsste man dieses durch eine Sonderregel verbieten, um unhistorisches Spiel zu unterbinden).Trotz dieser diversen Nachteile würden die Preussen die Schlacht vermutlich fast immer für sich entscheiden, wenn die schlechten Nachrichten aus Jena nicht für den raschen Verfall der Moral sorgen würden. Diese Sonderregel bringt den nötigen Zeitdruck in das Szenario.



Tolle Regeln, ausgewogenes Szenario, ein wunderbarer Spieltisch und nette Spieler – Wargamerherz, was willst Du mehr?

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